Musik wischt die Unterschiede weg

Badische Zeitung vom 8. Dezember 2011

Die Lebenshilfe hat eine eigene Band auf den Weg gebracht / Öffentliche Auftritte und Konzerte sind das langfristige Ziel.

TITISEE-NEUSTADT. Musik verbindet – jung und alt, groß und klein, behindert und nicht behindert. Wie gut Letzteres funktioniert und wie viel Spaß es macht, zeigen die jungen Leute, die sich freitags von 15. 30 bis 18 Uhr in Rötenbach zur Musikprobe treffen. Schon von draußen hört man die Bässe wummern. Im Proberaum sind zehn Musiker an ihren Instrumenten, am Boden stehen Verstärker, eingebettet in Kabelsalat. Zum Warmspielen wird ein einfacher Rhythmus geübt. Dann steht „Über den Wolken“ von Reinhard May auf dem Spielplan. Florian Kerger gibt Zeichen: Eins zwei, eins zwei drei vier – und los geht’s. Schlagzeug, Perkussion und Gesang setzen ein, unterstützt von Gitarre, E-Bass und Keyboard.

Junge Musiker und Musikerinnen mit und ohne Behinderung haben eine integrative Band gegründet. Florian Kerger von der Lebenshilfe hat den Anstoß gegeben.

„Es hört sich schon richtig nach Musik an“, meint Florian Kerger begeistert. Auch für ihn ist das Projekt eine neue Erfahrung. Der 31-Jährige arbeitet seit vier Jahren bei der Lebenshilfe im Bereich Freizeit und hat das Konzept entworfen. Ein zunächst sechswöchiger Schnupperkurs soll nach einem Kennenlernen in eine feste Band münden. Wer fühlt sich wohl in der Gruppe? Wer möchte fest mitspielen? Harmoniert die Gruppe?

„Wir sind in einer Findungsphase“, erklärt Florian Kerger, der mit seinen Kollegen in der Lebenshilfe schon lange diese Projektidee hegte. Diese umzusetzen fehlte bislang allerdings das nötige Geld. Deshalb hat Geschäftsführer Uli Pfeiffer bei „Aktion Mensch“ eine Förderung beantragt. Mt Erfolg: Der Zuschuss ist bewilligt, und für 4000 Euro konnten Instrumente und Zubehör angeschafft werden.

Die Grundausstattung sieht professionell aus. „Wir wollten nicht erst mit drei Blockflöten anfangen, sondern gleich mit einer richtigen Bandausrüstung durchstarten. Das motiviert und schafft sogleich ein richtiges Bandfeeling“, erklärt der gelernte Erzieher. Was noch fehlt, sind Blasinstrumente wie Trompete, Saxophon oder Posaune, die über einen Spendenaufruf finanziert werden sollen. Dann könnten später, wenn sich ein fester Kern zusammengefunden hat, weitere Musiker in die Band aufgenommen werden. Denn die Warteliste ist lang. „Die Nachfrage war riesig“, erzählt Florian Kerger, der vielen Bewerbern absagen und sie auf später vertrösten musste.

Auch nach einem festen Proberaum hält der junge Mann weiter Ausschau. Wochenlang hatte er vergeblich gesucht und glücklich und dankbar zugegriffen, als das Angebot vom Musikverein Rötenbach kam, ihren Proberaum sogar zum Nulltarif nutzen zu dürfen. „Wir sind dafür sehr dankbar, müssen über kurz oder lang aber einen eigenen Proberaum haben, wenn wir später als Band öfters proben wollen“, sagt Florian Kerger. Schließlich sind auch öffentliche Auftritte und Konzerte geplant. Die Musikrichtung steht noch nicht fest, auch ein Bandname muss noch gefunden werden. „Wir haben aber schon Ideen“, verrät Florian Kerger.

Allen Teilnehmern ist ihre Freude am gemeinsamen Musizieren anzusehen, das ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behindertung beflügeln soll. Musik ist eine Sprache, die jeder versteht, die Brücken schafft und verbindet. „Es macht riesig Spaß“, sagt Bassist Ralph Behringer aus Löffingen und Schlagzeuger Bernhard Mürb aus Neustadt nickt zustimmend. Beide arbeiten in der Caritas-Werkstätte für behinderte Menschen im Gewerbegebiet Bildstöckle.

Zum Abschluss der Probe wird improvisiert – jeder Musiker an seinem Instrument darf einmal im Vordergund stehen.

Professionell unterstützt wird die Gruppe von Gitarrist/in Emanuel Hirt und Lotte Fröhlich, Keyboarderin Theresa Willmann und Saxofonistin Cornelia Löffler.

Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte oder über einen Proberaum verfügt. kann sich bei Florian Kerger oder Janine Seifried melden (Telefon: 07651/97 27 7-16).

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